Thomas Gatzky

1949 in Treuenbrietzen geboren
1967-1971 Studium an der TH Magdeburg, Diplom-Ingenieur für Maschinenbau
1979-1984 Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung,
Halle Burg Giebichenstein, Diplom-Formgestalter
1986/1991 Verband Bildender Künstler der DDR/ Berufsverband Bildender Künstler der BRD
1984-2014 Universitätsdozent für das Fachgebiet Industriedesign an der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
2014 Verleihung der Ehrenprofessur durch die Universität Miskolc

Gatzkys Pfähle

nordwärts
haben die
schlachtschiffe
der wissenschaft
links und rechts
der großen straße
entlang dem strom
der sich bewegt
angelegt
die festungen
der wissenschaft
zeigen auf
wie sehr die stadt
mit ihrer geschichte
verwachsen ist
kein herein gibt es
es sei denn
man gehört zum kreis
ein heraus schon lange
nicht
die drinnen sind sich
selbst genug
man hat etwas
zu verteidigen
zwischen dem strom
und dem bau
des max-planck-institutes
steht das gatzkysche
pfahlobjekt
ein kunstwerk
aus den hölzernen
stützpfeilern
der zollbrücke
die zwei jahrhunderte
in den elbschlick gerammt

die zeit überdauerten
und unsichtbar schutz boten
den passanten der brücke
herein und heraus zur stadt
sind die gewaltigen stämme
nicht geflößt worden
haben ihre wipfel
möglicherweise
über guerickes haupt
ruhe gespendet
von ihrer stromzeit
erzählen die pfähle
und flüstern aus den jahrhunderten
der nächtliche lichtstrahl
verlängert ihr sein als brücke
zwischen den welten
der wissenschaften
als pfahl als sinnbild der stadt
die aus dem fleisch nicht mehr
zu reißen ist
harsche
rieb sich ein
zärte auch
vom fuß des menschen
der geruch des öls
die arbeit gegen die uhr
das stampfen der schiffe
flussauf und flussab
wellenschläge
eisenharten wassers
winters wie sommers
pfählern am ende
zwischen die himmel
zwischen den erden
eingewurzelt in beton
hingeöffnet der wolkenstürmerei
erlegen dem charme der magie.
geistumspielt und bei gott
nicht in der ewigkeit
in der behütung
im atem
der ewigen suchenden verankert.
malströme
wandern über
flipcharts
im hinwerfen
aus dem handgelenk
entwickeln sich
denkstrukturen
ganze gebäude brechen
splitternd ein
nach der nächsten frage
entlang
dem strom
ziehn die schlachtschiffe
der wissenschaft
ihre bahn
nordwärts
hoch ist der
einsatz
ach im fleische
steckt er mir
der pfahl
die stadt
an der wir
kranken
ach da steckt sie
tiefverletzt
die liebe